5 ½ Fragen an Angelika Güc

Nachdem ich das Netzwerken liebe und immer neugierig auf spannende neue Kontakte bin, bitte ich meine Gesprächspartner von „5 ½ Fragen an…“ gerne um Empfehlungen für das nächste Interview. So auch geschehen bei Angelika Güc, die heute Rede und Antwort steht (danke an Simone Naumann für die Empfehlung).

Bei Angelikas Arbeit dreht sich alles um die kreative Vermarktung – sei es des Unternehmens, von Produkten oder Dienstleistungen. Die Begeisterung für Bildsprache teilt sie in ihrem Blog „Augenschmaus“. Neugierig geworden?

Dann viel Spaß beim Lesen!

 1. Was tust Du und wie lange gibt es Dein Unternehmen schon?

Im Prinzip bin ich schon seit 1997 als Grafikerin für Print und später auf für Web selbständig.

Die ersten 10 Jahre habe ich zweigleisig gearbeitet, d.h. angestellt und selbständig. Ich habe habe in US-Softwarefirmen das Marketing geleitet und nebenbei für Freunde und deren Bekannte als Freiberuflerin Grafikarbeiten durchgeführt.

Denn die Grafik kam in meinem Angestelltendasein häufig zu kurz, dabei hat sie mir eigentlich am meisten Spaß gemacht. Im Laufe der Jahre habe ich meine Anstellung reduziert und die Selbständigkeit ausgebaut. Seit 2008 arbeite ich zu 100% selbständig und habe diesen Schritt nie bereut.

2. Wie bist Du zu Deiner jetzigen Tätigkeit gekommen? Entspricht sie Deiner ursprünglichen Ausbildung?

Im Marketing war ich schon immer zuhause.

Nach einer Ausbildung zur Bürokauffrau habe ich an der Fachhochschule München BWL mit Schwerpunkt Marketing studiert.

Meine Liebe zur Grafik und die kreative Ader habe ich recht spät entdeckt. Dabei war es meistens ich, die im Bekanntenkreis „Jobs“ wie die Gestaltung von Abiturzeitung, Kassetten-/CD-hüllen, Hochzeitszeitungen, Einladungen übernommen hatte. Anfangs noch geklebt, gemalt und kopiert und mit Aufkommen der ersten Grafikprogramme dann am PC.

Die Arbeit mit den Grafikprogrammen hat mich fasziniert und ich habe sie mir schnell selbst beigebracht. Wobei damals Anfang der 90er Jahre alle Grafiker vor der gleichen Herausforderung standen, quasi von Papier auf den Mac umzusteigen. Die Programme waren damals längst nicht so anspruchsvoll wie heute. Ich bin da einfach als Quereinsteiger „reingerutscht“,  mit viel Neugier, Leidenschaft und Anspruch an Qualität.

3. Würdest Du die gleiche Ausbildung noch einmal machen, wenn Du nochmal vor der Wahl stündest?

Gute Frage.

Manchmal war ich traurig, dass ich nicht von Beginn an einen kreativen Job gelernt habe, Fotografin, Goldschmiedin, oder was in der Art.

Aber ich denke, grade weil es auf dem Weg zum heutigen Job recht holprig und langwierig war, kann ich heute das gesamte Wissen super kombinieren. Zum einen die Theorie aus dem Studium. Dann die lange Zeit auf der anderen Seite des Schreibtisches, also auf der Auftraggeberseite. Hier habe ich gelernt, wie politisch es in Firmen zugeht, wie lange Entscheidungsprozesse dauern, wie Budgets immer wieder umverteilt werden, wie sehr man gegen festgefahrene Hierarchien und Strukturen oder Abteilungskämpfen zu leiden hat. Und dass darunter meistens das Ergebnis von Projekten leidet – aber auch, wie Teams und Businessprozesse funktionieren, wie man mit „schwierigen“ Meinungsmachern umgeht und vieles mehr.

In meiner Arbeit als freiberufliche Grafikerin habe ich eben die andere Seite kennen gelernt. Hier bin ich nicht nur Grafikerin, sondern werde gefordert, als Beraterin meine Meinung einzubringen, wobei mir hier sicher die Zeit als Angestellte hilft, die Kundenseite zu verstehen. Und die Fotografie habe ich als Hobby und Passion in mein Leben integriert.

So bin ich jetzt an einem Punkt, wo ich dank der vielseitigen Erfahrungen als Marketingleiterin, Grafikerin und Hobbyfotografin ein zweites Standbein aufbauen kann. Ich berate und coache im Bereich der Bildsprache in der Marketingkommunikation. Hier unterstütze ich sowohl Solopreneure bis hin zu Konzernen mit Beratung, Seminaren, Workshops und individuellen Coachings.

4. Was inspiriert Dich im Job am meisten?

Zum einen bekomme ich wahnsinnig viel Inspiration durch mein großartiges Netzwerk. Das besteht aus vielen verschiedenen wunderbaren Persönlichkeiten und Jobrichtungen. Angefangen von Fotografen, Experten für Druck, Social Media,  Web, Text, Video aber auch Coaches, Unternehmensberater, ich kann sie gar nicht alle aufzählen. In Gesprächen und Netzwerktreffen lernt man so viel voneinander, es ist einfach unglaublich. Und ich hoffe, ich kann an mein Netzwerk genauso viel zurück geben.

Zum Anderen bin ich in einer super Bürogemeinschaft im Glockenbachviertel, mitten im kreativen Herz von München, das möchte ich auch nicht mehr missen. Dazu kommt, dass sich Trends im grafischen Bereich immer schneller ändern und es ist spannend, diese zu entdecken, zu erspüren und in die eigene Arbeit einzubringen.

5. Was war das Außergewöhnlichste, was Du bisher getan hast?

Heute ist es wohl nicht mehr außergewöhnlich. Ich habe vor gut 8 Jahren mein Auto verkauft und bin aufs Fahrrad umgestiegen. Obwohl ich mittlerweile am Stadtrand wohne und jeden Tag ins Büro und zurück eineinhalb Stunden bei Wind und Wetter radel, kann ich es mir nicht mehr anders vorstellen. Die Bewegung vor und nach dem langen Sitzen am Schreibtisch, durch die Münchner Innenstadt zu segeln und dabei ein gutes Freiheitsgefühl zu haben, lässt mich mein Auto nicht mehr missen. Selbst zu Terminen außerhalb von München klappt die Kombi S-Bahn und Radl super. Und wenn alle Stricke reißen, gibt es ja immer noch den Mietwagen oder Sharing-Angebote. Man muss sich halt einfach anders organisieren.

5 ½. Eine halbe Frage zum Abschluss: Dein Tipp für die Mittagspause?

Essen mitnehmen und zwischen Reichenbach- und Corneliusbrücke an die Isar setzen, Füße ins Wasser und den Münchner Sommer spüren. Grade in diesem Sommer ein Hochgenuss.

Foto: Markus Plangger

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