5 ½ Fragen an Michael Thalhammer

Nachdem ich das Netzwerken liebe und immer neugierig auf spannende neue Kontakte bin, bitte ich meine Gesprächspartner von „5 ½ Fragen an…“ gerne um Empfehlungen für das nächste Interview. So auch geschehen bei Michael Thalhammer, der heute Rede und Antwort steht (danke an Mark Linke für die Empfehlung).

Bayerischer Surfstyle im ländlichen Sauerlauch? Ein Tattoo-Studio gründen ohne zeichnen zu können? Und was bitte schön haben die Wuidara Pistols und Lederhosen damit zu tun? Erzählt Michi uns in den folgenden 5 ½ Fragen.

Viel Spaß beim Lesen!

 1. Was tust Du und wie lange gibt es Dein Unternehmen schon?

Meinen Laden Brandner & Kneißl habe ich am 7.3.2015 eröffnet. Ich habe mir damit einen Traum verwirklicht, nämlich den bayerischen Lifestyle mit meiner Leidenschaft fürs Tätowieren zu verbinden. Im Brandner & Kneißl findest Du qualitativ hochwertige Lederhosen – auf Wunsch mit coolem Branding individualisiert, lässige Surfer-Klamotten von meinem Label Aloha Bavaria und hast die Möglichkeit Dich in entspannter Atmosphäre tätowieren zu lassen.

2. Wie bist Du zu Deiner jetzigen Tätigkeit gekommen? Entspricht sie Deiner ursprünglichen Ausbildung?

In meiner beruflichen Laufbahn ging es irgendwie nicht geradeaus. Erst bin ich runter vom Gymnasium auf die Realschule, habe dann aber doch das Abi nachgeholt und 12 Jahre mit schwerstmehrfachbehinderten Menschen gearbeitet. Aus dieser Arbeit heraus entstand der Wunsch Musiker (und später Musiktherapeut) zu werden. Das Gesangsstudium musste ich leider wegen einer chronischer Stimmband- und Kehlkopfentzündung aufgeben. Also habe ich Sozialpädagogik studiert und fünf Jahre als Sozialarbeiter an einer Hauptschule gearbeitet. Das war mir aber zu wenig nah am Menschen und zu theoretisch, so dass ein anderer Plan her musste.

Der Traum vom Musikerleben war noch nicht ausgeträumt, daher gründete ich die Band „Wuidara Pistols“ (die es immer noch gibt), mit der ich viele Jahre sehr erfolgreich Party-Musik gemacht habe. Auftritte im Zirkus Krone, beim Stanglwirt in Kitzbühel und auf der Wiesn waren an der Tagesordnung.

Warum ich damit aufgehört habe? Ich wollte nicht irgendwann als Witzfigur enden. Als alter Sack, der denkt er wäre ein Rockstar. Also machte ich mich auf die Suche nach einer neuen Idee. Diese fand ich indirekt auch durch meine Wuidara-Zeit. Ich hatte mir damals unser Bandlogo auf meine kurze Lederhose sticken lassen. Das sah zwar cool aus, war aber hart und unbequem. Daran sollte ich mir später noch erinnern…

Meine erste Idee für einen Neuanfang war ein Tattoo-Studio zu eröffnen. Nur blöd, dass ich nicht zeichnen kann. Also schwebte mir ein Laden nach amerikanischem Vorbild vor, mit angestellten Tätowierern. Da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Hierzulande sind Tätowierer Freigeister, die kein Interesse an einer Anstellung haben. Ein Studio mit Freiberuflern – allein konnte das nicht funktionieren, es musste noch etwas dazu. So habe ich mir überlegt, was ich in einem solchen Studio noch gerne haben würde.

Ich erinnerte mich an meine unbequeme, bestickte Lederhose und an meinen Opa, der früher immer mit Brandmalerei Holz verziert hatte. Warum nicht Lederhosen mit Brandings verschönern? Da war sie, die zündende Idee 🙂 .

Und zu guter Letzt kam es noch zur Gründung meines Labels ALOHA Bavaria für bayerischen Surfstyle. Was für eine Kombi!

3. Würdest Du die gleiche Ausbildung noch einmal machen, wenn Du nochmal vor der Wahl stündest?

Vermutlich ja. Im Nachhinein klingt das alles zwar extrem wild, aber zur jeweiligen Zeit habe ich immer genau das getan, was für mich richtig war. Jedes Puzzleteilchen hat es gebraucht, um mich dahin zu bringen wo ich jetzt bin.

4. Was inspiriert Dich im Job am meisten?

Die Menschen und die Gespräche mit ihnen. Mein Laden hat es zu einer gewissen Berühmtheit geschafft, so dass regelmäßig Menschen aus aller Welt vorbei kommen und mich inspirieren. Obwohl Sauerlach weder der Nabel der Welt noch hip und cool ist, finden sie alle den Weg zu mir. Kaum eine Zeitschrift oder ein Fernsehsender, der noch nicht berichtet hat. Cool!

5. Was war das Außergewöhnlichste, was Du bisher getan hast?

Ich bin Papa geworden! Und das, obwohl ich fest davon überzeugt war, dass ich mich keinem Kind zumuten kann 🙂 . Meine Frau und ich haben nach der Geburt unserer Tochter die klassischen Rollen-Klischees abgeschüttelt. Sie hat unter der Woche als Geschäftsführerin gearbeitet, während ich vormittags mit der Band geprobt und nachmittags aufs Kind aufgepasst habe. Am Wochenende war ich mit der Band unterwegs.

Dass ich zweimal den Mut hatte meinen Beruf radikal zu wechseln und mich in ein neues Abenteuer zu stürzen (erst vom Sozialpädagogen zum Rockstar und dann von dort weiter zu meinem Laden), finden andere außergewöhnlicher als ich. Ich war jedes Mal fest vom Erfolg überzeugt.

5 ½. Eine halbe Frage zum Abschluss: Dein Tipp für die Mittagspause?

Habe ich nicht 🙂 . In der Sonne sitzen ist aber ein guter Plan, falls sich die Zeit findet.

www.brandner-kneissl.bayern