5 ½ Fragen an Claudia Anspach

Claudia Anspach ist seit kurzem Mieterin bei Mein Arbeits(t)raum Untergiesing. Als gerichtlich bestellte Übersetzerin für Englisch ist sie viel unterwegs. Nach Einsätzen in der JVA, bei Gericht oder in einer Polizeidienststelle, genießt sie es bei uns die Bürotür hinter sich schließen und durchatmen zu können.

Neugierig geworden? Dann viel Spaß mit den folgenden 5 ½ Fragen!

 1. Was tust Du und wie lange gibt es Dein Unternehmen schon?

Seit März 2008.

2. Wie bist Du zu Deiner jetzigen Tätigkeit gekommen? Entspricht sie Deiner ursprünglichen Ausbildung?

Mein Unternehmen habe ich gegründet, indem ich spontan morgens zu meiner Arbeitsstelle als angestellter Sekretärin bei einem DAX-Konzern gefahren bin und fristlos gekündigt habe … Ich hatte 12 Jahre als Sekretärin gearbeitet und hatte einfach genug von diesem Arbeitsmodell und dem Aufgabenbereich.

Bei meiner Arbeit als Sekretärin für das Management in unterschiedlichen Branchen habe ich sehr viel über diese Branchen (Banken und Versicherungen, Patent- und Rechtsanwälte, Automobilinstrudie und ganz zu Anfang meiner Karriere war auch ein Business Center dabei) und komplexe betriebswirtschaftliche Zusammenhänge gelernt.

Heute arbeite ich selbständig als öffentlich bestellte Dolmetscherin und Übersetzerin für die englische Sprache, eine sehr interessante und verantwortungsvolle Tätigkeit, bei der ich die unterschiedlichsten Menschen treffe und ihnen helfe.

Meinen Beruf verstehe ich auch in erster Linie als helfende Tätigkeit. Ich ermögliche Menschen, die der deutschen Sprache nicht hinreichend mächtig sind, ihr Recht auf rechtliches Gehör (verankert im Grundgesetz Art. 103 Abs. 1) vor Gericht auszuüben, indem ich u.a. Gerichtsverhandlungen dolmetsche.

Hierfür habe ich alle erforderlichen Qualifikationen und Diplome erworben. Im Oktober 1990 mein Diplom der staatlich geprüften Übersetzerin mit Fachgebiet Recht, anschließend öffentliche Bestellung durch das Landgericht München I und seither ständige Fortbildungen in meinen Fachgebieten Recht und Wirtschaft sowie zu Themen der Translationswissenschaften.

3. Würdest Du die gleiche Ausbildung noch einmal machen, wenn Du nochmal vor der Wahl stündest?

Ja, wahrscheinlich würde ich dieselbe Ausbildung nochmal machen. Allerdings möchte ich nicht verschweigen, dass ich mich auch schon geärgert habe, weil es in meiner Ausbildung 5 Semester lang in der Tat ausschließlich um Sprache und fachbezogene Themen ging, also um die Inhalte der Fachgebiete, die es zu übersetzen gilt (neben Recht gibt es noch Technik, Wirtschaft, Politik und Geisteswissenschaften).

Was in meiner Ausbildung komplett gefehlt hat, ist die Vermittlung von kaufmännischen Kompetenzen. Die musste ich mich mir mühsam und letztendlich auch teuer während meines Berufslebens erwerben.

4. Was inspiriert Dich im Job am meisten?

Das Inspirierende an meiner Arbeit ist die juristische und menschliche Themenvielfalt. An einem Tag fahre ich oft von einer Gerichtsverhandlung, in der es um Schadensersatz geht, in die JVA und dolmetsche ein psychiatrisches Gutachten oder das Gespräch eines Anwalts mit seinem Mandanten, um danach auf einer Polizeiinspektion die Aussage eines Zeugen zu übertragen oder auf einem Notariat eine Grundstücksübertragung zu dolmetschen.

Dann fahre ich ins Büro und übersetze Geburtsurkunden zur Einbürgerungszwecken, Diplome für Bewerbungen im Ausland, Gesellschaftsverträge für das Finanzamt, anwaltliche Schriftsätze.

5. Was war das Außergewöhnlichste, was Du bisher getan hast?

Mit der Kriminalpolizei und einem Häftling stundenlang durch den Ebersberger Forst mit einem überdimensionalen Spaten gestreift. Der Häftling, angeklagt wegen unerlaubtem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln, sagte, er würde der Polizei die Stelle zeigen, an der er die Drogen vergraben hat … er muss es sich wohl auf der Fahrt in den Wald anders überlegt haben.

Die Polizei hat zwar stundenlang an vielen Stellen gegraben („weiter rechts, nein, doch weiter links, tiefer, ach, dort drüber, der Baum war’s, etc.“), am Ende sind wir doch ohne Drogen zurückgekommen. War skurril. Die ganze Szenerie im Wald mit dem Spaten, den Polizisten und dem Häftling. Schon die Fahrt dorthin war „crazy“: Vorne im PKW zwei Polizisten, hinten rechts ich, in der Mitte eingequetscht der ohnehin schon schmächtige, farbige Häftling und links neben ihm ein weiterer fülliger Polizist. Ich war zu dem Zeitpunkt auch noch um einiges beleibter.

So sind wir tagsüber durch die Dörfer Oberbayerns gefahren und haben an einigen Stellen angehalten, um jemanden zu finden, der uns einen Spaten ausleiht. Jeder hat in unserer Auto geschaut, einige sind sogar stehen geblieben und haben den Kopf geschüttelt „Jo wos, ja mei, do schaug hi“.

5 ½. Eine halbe Frage zum Abschluss: Dein Tipp für die Mittagspause?

Der Vietnamese in der Freibadstraße! Total nett und super Essen. Auch schnell und preiswert.

www.fachuebersetzungen-rech.com