5½ Fragen an Bela Raba

Erinnern Sie sich an die Interviews mit Kerstin Timm (5½ Fragen und Ein paar Fragen mehr)? Auf meine Frage wen ich für diese Reihe unbedingt befragen soll, nannte sie mir Fotografin Bela Raba. Und sie hat nicht zu viel versprochen! In den folgenden 5½ Fragen gewährt sie uns einen kleinen Einblick in die Welt der Mode-Fotografie und ihren ganz persönlichen Weg dorthin. Sehr spannend und unbedingt lesenswert!
Viel Spaß beim Lesen!

Vorab über mich, Bela Raba:

Es ist mir wichtig meinen Mitmenschen gegenüber ehrlich zu sein und hier ein klares Bild meiner selbst vermitteln zu können. Ich wurde nicht als Frau  geboren und doch war es Teil meines Traumes und Arbeitstraumes als Frau leben zu dürfen.

Das anschließende Interview schreibe ich daher aus dieser heutigen Sicht meiner selbst und dieser subjektiven Wahrnehmung. Dies tut im Grunde genommen nicht wirklich etwas zur Sache. Es ist mir aber wichtig, um ein ganzheitliches Bild abzugeben und auch zu zeigen dass mein Leben nicht ganz so geradlinig verlaufen ist wie es vielleicht zunächst den Anschein hat.

1. Wie lange gibt es Ihr Unternehmen?

Vielen Dank dass Sie Bela Raba Photographie als Unternehmen bezeichnen.

Da muss ich mir natürlich selbst gleich die Frage stellen, ob ich heute eher als Künstlerin oder mehr als Unternehmerin tätig bin. Ich denke beides ist richtig. Die Übergänge sind ja oft fließend, aber nicht immer. Mein Bauchgefühl sagt mir ich möchte noch mehr Künstlerin sein, die Vernunft möchte jedoch auch durch handfeste Werbeaufträge genährt werden. Die Zukunft wird zeigen ob ich beides noch mehr unter einen Hut bringen kann.

Angefangen zu fotografieren habe ich bereits mit ca. 15 Jahren. Zunächst war ich stark von meinem Vater inspiriert und auch beeinflusst, der damals selbst als erfolgreicher Mode- und Kunst-Fotograf tätig war, sich aber später einem ganz anderen Tätigkeitsfeld zu gewand hat.

Mit etwa 18 Jahren habe ich dann einen starken Drang verspürt meine eigenen Bildwelten zu erforschen und mich damit auch mehr dem Einfluss meines Vaters zu entziehen. Das war natürlich gut so, aber auch nicht immer ganz einfach.

Es folgten zunächst einige kleinere Ausstellungen in Cafés und Restaurants die einen sehr künstlerischen Ansatz hatten, bis ich mich entschied erst einmal eine handwerkliche Fotografen-Ausbildung zu absolvieren. Nachdem ich diese abgeschlossen hatte, träumte ich jedoch umso mehr die weite Welt als Mode-Fotografin zu bereisen.

Damals war ich ein totales Landei und hatte eine sehr konservative Portrait- Ausbildung in Murnau am Staffelsee genossen. Heute wird mir erst bewusst wie naiv und auch verträumt ich damals war. Es dauerte lange bis ich diese sehr handwerklich klassisch geprägte Arbeitsweise wieder abstreifen konnte. Trotzdem war es wichtig für mich den Job „von der Pike auf“ zu lernen.

Etwas später rundete ich die fachliche Ausbildung mit dem Fotografen-Meister Titel ab. Aber es fehlte immer noch der direkte Bezug zur Mode-Fotografie und mir wurde bewusst dass dies ein Fachbereich war der nicht nach normalen Leistungskriterien zu messen ist. Man brauchte Beziehungen, die ich anfangs gar nicht hatte. Es dauerte einige Zeit bis ich ein paar Kontakte bekam.

Durch einen Tipp bewarb ich mich als Assistentin bei einem etablierten Mode-Katalog-Fotografen in München, der mich dann tatsächlich in seinem Team aufnahm. Das war ein großes Glück für mich! Hier ging nun endlich für mich der lang ersehnte Traum in Erfüllung bei internationalen Produktionen dabei sein zu dürfen und ich merkte bald was ich mir da eigentlich vorgenommen hatte. Sechs Wochen in Los Angeles, Phoenix AZ und New York wurden vier Mal im Jahr zu meinem normalen Arbeits-Rhythmus und zur körperlichen Herausforderung.

Wer nun denkt, ach na gut, so einfach geht’s, hier eine kleine Alltagskostprobe der Fotografen-Assistentin:

  • Die erste Regel lautet: Zeit ist Geld! 18-24 Einstellungen sind Pflicht pro Tag! Es wird fotografiert solange der Tag hell ist.
  • Jeden Tag um 5 Uhr aufstehen, stundenlang das Auto durch den amerikanischen Stadtverkehr jagen, immer an der Grenze des erlaubten und darüber hinaus.
  • Immer versuchen den Überblick über Material, Equipment und Produktion behalten!
  • Stundenlang neben Models in der Sonne braten und den Aufheller halten, Filme wechseln (damals analog), einpacken, auspacken, Location Wechsel.
  • Filme ins Labor, Filme auswerten…schlafen.
  • Alles auf Anfang!

„Pass auf was Du Dir erträumst! Es könnte in Erfüllung gehen“, dachte ich. Oft fiel ich als Letzte abends tot müde ins Bett. Und das Ganze zunächst für einen Hungerlohn. Doch eines war mir von der ersten Sekunde als ich dabei sein durfte bewusst: Ich liebte diesen Job! Und je länger und anstrengender es wurde umso mehr Spaß hat mir das Alles gemacht. Das Team wurde zur Familie.

Nun gut, damals hatte ich keine Ahnung was es tatsächlich heißt selbständige Unternehmerin zu sein und Verantwortung für Angestellte und Studio zu tragen, Steuern zu Zahlen und immer um eine gute Auftragslage kämpfen zu müssen. Ich denke hier sitzen alle Selbständigen und Unternehmer in einem Boot, egal welcher Branche sie angehören. Trotzdem konnte ich mich nach meiner Assistenzzeit als selbständige Fotografin durchsetzen.

Heute, zwanzig Jahre später, habe ich ein eigenes Studio  in einem alten Gewächshaus in München aufgebaut (greenlightstudios.de), das ich auch als Mietstudio betreibe.

Für meine Produktionen bin ich viel im In- und Ausland unterwegs. Gerade komme ich von einer Woche Shooting aus Zypern zurück, wo ich seit letztem Jahr sehr oft arbeite. Das tolle Wetter und der gute Kontakt zu einer dort ansässigen Produktionsfirma erlauben es mir hier deutsche wie internationale Kunden zu betreuen. Besonders macht mir natürlich meine Editorial Arbeit für Mode Magazine Spaß. Zypern ist ein wahres Eldorado dafür.

2. Wie sind Sie zu Ihrer jetzigen Tätigkeit gekommen? Entspricht sie Ihrer ursprünglichen Ausbildung?

Modefotografie kann man in den seltensten Fällen in einer Ausbildung erlernen. Die meisten Fotografen die eine Ausbildung anbieten sind eher im Portrait Bereich oder im Fotofachverkauf tätig. Daher freut es mich besonders wenn ich heute die Zeit finde hier und da ein Seminar bei der Meisterklasse der Fotografen zum Thema Mode-Fotografie zu leiten. Die meisten Teilnehmer sind jedoch sehr überrascht wie absurd und anders dieser Zweig der Fotografie eigentlich ist. Es gelten hier eben ganz eigene Regeln.  Karl Lagerfeld sagte einmal in einem Interview: „Wer denkt dass es in der Mode fair zugeht, hat sich geschnitten!“.

Da hat er Recht, denke ich.

3.Würden Sie die gleiche Ausbildung noch einmal machen, wenn Sie nochmal vor der Wahl stünden?

Nach meinen Ausführungen würde man wahrscheinlich erwarten dass ich sage: „Nein, um Himmels Willen! Ich würde heute lieber Bankerin werden!“ Manchmal in einem schwachen Moment wünsche ich mir das sogar. Die Wahrheit ist aber, ich würde es genauso wieder machen. Allerdings würde ich hoffen etwas schneller voran zu kommen, da ich ja jetzt ein paar Kniffe mehr kenneJ

4. Was inspiriert Sie im Job am meisten?

Es sind immer die Menschen die mich inspirieren. Ich versuche auch immer (vielleicht anders als manche Kollegen) einen Draht zu meinen Models aufzubauen bevor ich sie fotografiere. Inspiration kommt ja bekanntlich von Innen und braucht emotionalen Antrieb. Auf Deutsch gesagt, von langweiligen Leuten kannst Du keine guten Bilder machen!

5. Was war das Außergewöhnlichste, was Sie bisher getan haben?

Ich denke, dass ich nicht gewöhnlich bin. Niemand ist das! Das macht mich noch nicht besonders, aber ich denke dass es schon außergewöhnlich ist wenn man den Mut hat sein Leben seinem Traum zu widmen. Sich und der Sache treu zu bleiben ist besonders genug!

Ja, in Namibia auf der höchsten Sanddüne der Welt zu eine Mode-Produktion fotografieren zu können war sicher ein tolles Erlebnis. Aber jeden Tag aufs neue als der Mensch den Tag zu gestalten zu dürfen der man sein möchte, ist noch viel besonderer als ein Einzelerlebnis.

Natürlich sammle ich emotionale schöne Momente in meinem Kopf. Dies können erfolgreiche Momente mit dem Team sein, wenn gerade ein toller Job gut geklappt hat. Aber auch ein schöner Augenblick mit meinem Sohn oder alleine mit meinem Hund auf einem Berg kann einen solchen Moment ergeben. Man kann solche Momente ja nicht erwarten, oder gar erzwingen. Man kann sie sich nur erlauben. Wenn dann einer kommt ist es oft unerwartet, was umso schöner ist! Diese Momente bewahre ich auf wie einen Schatz. Ich denke das ist das was zählt und was bleibt.

Das Geschenk, das dieser Job eigentlich mit sich bringt, sind die vielen tollen Begegnungen die man im Laufe der Zeit gesammelt hat.

5½. Eine halbe Frage zum Abschluss: Ihr Tipp für die Mittagspause?

Definitiv der Hundespaziergang zur Mittagspause!