5½ Fragen an Jessica Lang

Bei meinen mittäglichen Spaziergängen durch das Viertel rund um Mein Arbeits(t)raum Untergiesing lief ich lange an einem leerstehenden ehemaligen Schlecker-Laden vorbei. Eines Tages tat sich etwas und neugierig wartete ich darauf mehr zu erfahren. Als das KARUSA dann eröffnete, war die Freude groß. Ein wunderbarer Ort zum Stöbern abseits der Massenware war entstanden. Eine absolute Bereicherung für unser Viertel! Wie Jessica Lang auf die Idee kam und entgegen aller Unkenrufe ein erfolgreiches Unternehmen abseits ihrer eigentlichen Ausbildung gründete, erfahrt Ihr in den folgenden 5½ Fragen. Viel Spaß beim Lesen!

1. Wie lange gibt es Dein Unternehmen?

Im September 2012 öffneten sich die Pforten und seither können Handarbeiter ihre Produkte bei uns anbieten. Ursprünglich als Regalfachvermietung, seit Anfang 2016 als reiner Kommissionshandel. Es gibt Produkte die in dieser Form nicht im Einzelhandel angeboten werden würden.
Ich schaue auf fünf erfolgreiche und glückliche Jahre. Um ein neues Unternehmen in einer anderen Stadt zu gründen biete ich aktuell das KARUSA zur Nachfolge an.

2. Wie bist Du zu Deiner jetzigen Tätigkeit gekommen? Entspricht sie Deiner ursprünglichen Ausbildung?

Jede Arbeit, Job, Ausbildung und Interessen haben mich am Ende zum eigenen Unternehmen geführt.
Nach dem Abitur auf dem technischem Gymnasium fiel die Wahl auf die Ausbildung als Maßschneiderin. Danach Studium in Bekleidungstechnik und im Anschluss sechs Jahre in der Bekleidungsindustrie. Auf Basis der vom Designer erstellten Bilder war es meine Aufgabe Produktionsunterlagen zu erarbeiten. Schnitttechnik, Mathematik, Materialkunde, gesetzliche Vorgaben umsetzen, Druckverfahren, Prototypenbearbeitung. Ein wunderbar kreativ-technischer Job aber irgendwie ein sinnfreies Endprodukt mit zu vielen Nachteilen in der Herstellung. Das Verkaufen hab ich eher beiläufig gelernt, als Kind auf dem Wochenmarkt mit der Oma Trachten verkauft, mit der Großtante Gemüse, mit den Eltern auf Weihnachtsmärkten, als Teenie dann die ersten bezahlten Jobs im Einzelhandel. Jobs in der Nachbarschaftshilfe, Altenbetreuung, Babysitting, Putzjobs, Barkeeper, Garderobiere, Küchenhilfe, Getränkeverkauf, Zeitungen und Flyer verteilen. Alles Dinge, die bilden, den Horizont erweitern und einem in der Selbständigkeit und im Leben sehr hilfreich sind.

3. Würdest Du die gleiche Ausbildung noch einmal machen, wenn Du nochmal vor der Wahl stündest?

Im Jahre 2017 wäre es unüberlegt eine Damenschneiderausbildung zu machen. Unüberlegt wenn man davon Leben möchte. Der Bereich ist im Ausland spezialisiert und durch die Billigmodeanbieter sinkt die Nachfrage. Jede Hausfrau kann inzwischen wunderbar nähen und die Meisterpflicht wurde gekippt. Aktuell fällt die Wahl auf Kfz Mechatroniker für Oldtimer, das wird seit 2011 angeboten und wäre die Erfüllung eines weiteren Traums.

4. Was inspiriert Dich im Job am meisten?

Arbeit nimmt sehr viel Lebenszeit ein, deshalb sollte sie Spaß machen, einen Sinn haben und im besten Fall glücklich machen. Als Selbständige kann ich mir diese Wünsche erfüllen. Um 10 Uhr öffnen sich die Türen und es begegnen mir eine Vielzahl von Menschen die mich als Person prägen. Wir verkaufen nichts was man braucht und wer bei uns etwas sucht, wird nicht fündig. Die Atmosphäre im Laden bringt die Leute oft in positive Stimmung. Wenn jemand mit dem falschen Fuß aufsteht und nach einem Besuch im Karusa bessere Laune hat, dann macht mich das glücklich. Mich inspiriert das Zusammenspiel vom Gesamten.

5. Was war das Außergewöhnlichste, was Du bisher getan hast?

Ohne finanziellen und familiären Rückhalt, einen leeren 200qm Einzelhandel in München zu eröffnen. Mein Plan ging nachweislich mehr als auf, jedoch würde ich jedem Existenzgründer davon abraten. Ich verstehe weshalb neun von zehn Gründer relativ früh scheitern. Liquidität und Flexibilität spielen eine entscheidende Rolle, da können die Idee und die Cojones noch so vorhanden sein. Aber was soll´s. Den Mutigen gehört die Welt.

5½. Eine halbe Frage zum Abschluss: Dein Tipp für die Mittagspause?

Eine halbe Stunde Auszeit in Italien. Leckere Panino, Aprikosen Croissants und Esspresso von der ausgesprochen netten Dame bei  L´angolo dei Sapori in der Ohlmüller 12, Ecke Asamstr.