5 ½ Fragen an Kerstin Timm

Ich habe Kerstin Timm im Frühjahr 2014 kennengelernt. Damals war sie auf der Suche nach einem Ort, an dem sie einen Salonabend durchführen wollte, um ihren Schmuck zu präsentieren. Da ich Vernissagen und ähnliche Veranstaltungen in meinen Businesscentern liebe und mir ihre Arbeiten sehr gefielen, sagte ich sofort zu. Das Ergebnis war ein stimmungsvoller Abend im Mein Arbeits(t)raum Untergiesing und eine seither bestehende sehr angenehme Verbindung mit dieser starken Frau. Daher freue ich mich sehr, dass Kerstin meine 5 1/2 Fragen als erste Nicht-Arbeits(t)raum-Bewohnerin beantwortet hat.

Kerstin Timm, Tikkun Schmuck: www.tikkun-schmuck.de

1. Wie lange gibt es Dein Unternehmen?

Seit dem 18.Otober 2005 bin ich selbständige und freiberuflich tätige Goldschmiedin und Designerin.

2. Wie bist Du zu Deiner jetzigen Tätigkeit gekommen? Entspricht sie Deiner ursprünglichen Ausbildung?

Nein…ursprünglich habe ich nach der Hauptschule – auf Wunsch meiner Eltern – in der Kosten-/ Journal-Buchhaltung bei Karstadt in Göttingen Buchhalterin gelernt. Nach dem erfolgreichen Ende dieser Ausbildung habe ich das Abitur auf dem Wirtschaftsgymnasium nachgeholt und sehr gut bestanden, dann Politik/Publizistik/VWL auf Magister studiert. Ich wollte eigentlich als Journalisten und Auslandskorrespondentin durch die Welt reisen und schreiben. Lernte meinen mittlerweile geschiedenen Ehemann kennen, wurde Mutter eines traumhaften Sohnes und arbeitete in der Buchhaltung der Gold- und Silberschmiede meines Ehemannes. Ich fand Gefallen an der Tätigkeit des Goldschmiedens und entdeckte meine Kreativität und meine Talente auf diesem Gebiet. Ich habe sieben Jahre autodidaktisch gelernt und als Goldschmiedin in der Firma meines Mannes gearbeitet. Nach der Trennung und Scheidung habe ich dann eine Ausbildung bei einem der besten Lehrmeister für Goldschmiedekunst absolvieren können und sehr erfolgreich abgeschlossen.

3. Würdest Du die gleiche Ausbildung noch einmal machen, wenn Du nochmal vor der Wahl stündest?

Jaaaaa!!!! Sofort und jederzeit! Ich habe meine Berufung in diesem Beruf gefunden, ich liebe diese Arbeit und empfinde es nicht als Arbeit, was ich tue! Ich geniesse jeden Moment am Werktisch und alles was damit zu tun hat und möchte diese Bereicherung in meinem Leben nicht eine Minute missen!

4. Was inspiriert Dich im Job am meisten?

Die Umgebung in der ich arbeiten darf, das unbeschreibliche Karma in meinem Atelier wenn ich an meinem Arbeitsplatz unter der riesigen Palme sitzen darf genauso wie der wunderschöne Platz an dem ich meine Kundentermine geniessen darf auf gemütlichen Sesseln unter einer traumhaften Bougainvillea. Aber ich finde auch Inspiration auf den Reisen, die ich unternehmen darf und währenddessen ich meine Bücher schreibe. Ich werde inspiriert durch die wunderbaren Menschen, die ich kennenlernen darf, die mir ihr Lächeln schenken. So wie Kristina Schmid. Ich sehe Ideen wenn ich durch die Natur gehe und mich sehr bewußt in die Stille zurückziehe, wenn ich stundenlang langsam schwimme und meine Gedanken einfach fliessen lasse. Auch die Mediation ist eine unerschöpfliche Quelle für kreative Gedanken, Bilder, Visionen und Gefühle, die ich dann an meinem Werkbrett lebendig werden lasse, denen ich eine Gestalt in Gold, Silber oder Platin schenken darf. Ich sprudele über vor Ideen wenn ich einfach auf einer Parkbank irgendwo auf der Welt schreiben darf oder in einem einfachen Café die Menschen um mich herum wahrnehmen darf während ich schreibe…

5. Was war das aussergewöhnlichste, was Du bisher getan hast?

Es hat soviel Bespiele dafür bereits in meinem Leben gegeben: sei es die Reise durch Indonesien, der Schritt in die Selbständigkeit, das Atelier im Botanikum und noch sovieles mehr.

Aber… …die vergangenen viereinhalb Monate seien wohl am ehesten erwähnt. Ich habe am 11.09.2015 die Diagnose bösartiger Brustkrebs um die Ohren geschleudert bekommen. Anschliessend habe ich mir den Behandlungverlauf der Ärzte angehört, beginnend mit Chemotherapie, dann brusterhaltene Operation, Bestrahlung und eventuell nochmals Chemotherapie. Es gab laut Diagnose einen bösartigen Tumor in der linken Brust. Nach dem ich mich kurze Zeit völlig in die Stille zurückgezogen habe und mir erlaubt habe meine innere Stimme zu hören, traf ich die Entscheidung zur vollständigen beidseitigen Amputation. Keine leichte Entscheidung mit fünfundvierzig Jahren. Ebenfalls nicht wirklich leicht, weil es der Diskussion mit vier Oberärzten und einem Chefarzt bedurfte bis endlich diesem Wunsch zu gestimmt wurde. Ich danke meinem Chefarzt aus tiefstem Herzen, dass er mich in dieser Entscheidung unterstützt hat, auch wenn er sie aus ärztlicher Sicht nicht befürworten konnte! Nach der Operation stellte sich heraus, dass auch in der rechten Brust ein bösartiger Tumor saß. Allerdings unsichtbar für die Mammographie und Radiologie, unter der Brustwarze und noch sehr klein, nicht zu tasten. Meine Entscheidung hat mir die Chemotherapie und die Bestrahlung erspart und mir definitiv das Leben gerettet. Ich werde bereits viereinhalb Monate nach der Diagnose einer tödlichen Krankheit von den behandelnden Ärzten als gesund und nur noch in der Rekonvaleszenz betrachtet.

5 1/2. Dein Tipp für die Mittagspause?

Die Neuhauser Wohnküche in der Lachnerstrasse in 80639 München: grandioses Ambiente, super Preise und ganz, ganz feines Essen. Afrikanischer Koch mit supersympathischer deutscher Ehefrau zaubern die leckersten Gerichte!

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