Flüchtlinge – wie aus der Not eine Tugend werden könnte

Das Thema Flüchtlingsströme nach Europa und speziell nach Deutschland ist zurzeit das beherrschende Thema in der Presse. Täglich hören wir neue Berichte über das Schicksal von hunderten Flüchtlingen, die auf ihrem Weg in die Sicherheit elend im Meer ertrunken oder in Lastwagen qualvoll erstickt sind. Grauenhaft!

Trotz dieser Dramen kommen täglich Tausende von Ihnen bei uns an. Voller Hoffnung auf ein Leben in Sicherheit und Gesundheit für sich und ihre Familien. Trotz der großen Mühe, die sich die Behörden mit der Bewältigung des Ansturms geben, ist die Lage alles andere als befriedigend.

Nachdem ich an dieser Stelle jede Woche über ein Thema schreibe, das sich rund um den Alltag von Selbständigen, Existenzgründern und kleinen Unternehmen dreht, möchte ich auch das Thema Flüchtlinge unter diesem Aspekt beleuchten.

Warum Arbeit so wichtig ist

Aus meiner Sicht wäre es ein großer Schritt, wenn Flüchtlinge bei uns ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften könnten. Statt zur Untätigkeit und Langeweile verurteilt in irgendwelchen Sammelunterkünften auf den nächsten Tag zu warten, könnten die Menschen ein vollwertiger Teil der deutschen Gesellschaft werden. Wie kürzlich jemand ganz richtig sagte, sind die Menschen, die da zu uns kommen, ja nicht alles Ziegenhirten. Im Gegenteil, viele sind sehr gut ausgebildet. Sie würden Steuern bezahlen statt vom Geld des Staats zu leben. Und was für ein Gewinn ein Job für das Selbstwertempfinden ist, kann jeder nachfühlen, der bereits unfreiwillig arbeitslos war.

Wir sollten uns ein Beispiel an Schweden nehmen. Dort bekommen Flüchtlinge aus Syrien sofort ein permanentes Bleiberecht und dürfen ab dem ersten Tag arbeiten. Darüber hinaus erhalten Sie Sprachunterricht und finanzielle Unterstützung. Wer eine Arbeitsstelle gefunden hat, darf auch dann im Land bleiben, wenn sein Asylantrag abgelehnt wird. Wäre das nicht auch ein Modell für Deutschland?

Wie kommen Flüchtling und Arbeitgeber zusammen?

Leider sind die bürokratischen Hürden für Arbeitgeber in Deutschland noch sehr hoch, wenn sie Flüchtlinge einstellen möchten: Es gibt beispielsweise keine Sprachkurse und Flüchtlinge müssen Monate auf die Entscheidung warten, ob sie bleiben dürfen (Quelle). Zudem ist es für einen Flüchtling momentan fast unmöglich ein Bankkonto zu eröffnen. Dies ist aber notwendig, um eine Arbeitsstelle annehmen und Sozialleistungen empfangen zu können. Wenigstens an dieser Stelle ist die Bafin dabei Abhilfe zu schaffen (Quelle).  Weitere Erleichterungen wären so wichtig! Gerade hat das neue Ausbildungsjahr begonnen und 123.100 (!) Lehrstellen konnten nicht besetzt werden (Quelle). Es sieht nicht so aus, als ob Deutschland in naher Zukunft seinen Bedarf an Fachkräften selbst decken könnte. Daher sind wir auf Zuwanderung angewiesen. Und was läge näher, als das Potential der Menschen zu nutzen, die sowieso zu uns kommen?

Unterstützung für Arbeitgeber und Arbeitsuchende

Im Internet bin ich auf ein tolles Projekt gestoßen. Die Plattform workeer von David Jacob und Philipp Kühn bringt Flüchtlinge und Arbeitgeber, die ihnen eine Chance geben wollen, zusammen. Was als Abschlussprojekt im Rahmen ihres BA Kommunikationsdesignstudiums an der HTW Berlin im Sommer 2015 entstand, ist inzwischen rasant gewachsen. Derzeit finden sich dort fast 700 Jobangebote. Es bleibt zu hoffen, dass daraus viele Arbeitsverhältnisse entstehen! Wer die beiden Initiatoren bei der Weiterführung der Plattform unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen Kontakt aufzunehmen (Kontaktdaten findest Du auf www.workeer.de).

Ein anderes, bereits etabliertes Projekt ist der PhönixPreis, der Münchner Wirtschaftspreis für Migrantenunternehmen. Bereits seit 2010 verleiht die Stadt München den PhönixPreis an Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird vom Referat für Arbeit und Wirtschaft jährlich ausgeschrieben und gemeinsam mit dem Münchner Ausländerbeirat vergeben. Für 2015 heißt es schnell sein. Die Bewerbungsfrist endet am 21.9.15.
Zugegeben, diese Initiative ist wohl kaum für Flüchtlinge interessant, die gerade erst in Deutschland angekommen sind. Aber wer in Deutschland Fuß gefasst hat, erhält so einen Anreiz aktiv die eigene Karriere in die Hand zu nehmen und sich selbständig zu machen.

Last but not least: Was kann ich selber tun, um Flüchtlinge zu unterstützen?

Die wenigsten von uns sind als Selbständige, Existenzgründer oder Kleinunternehmer in der Lage einen Flüchtling einzustellen. Das überfordert in der Regel unsere Möglichkeiten. Aber wir können trotzdem helfen:

Mit Geld

Die einfachste Art der Unterstützung ist die Geldspende. Jeder noch so kleine Betrag ist wertvoll. Also, warum nicht eine Firmenspende machen? Das hilft den Flüchtlingen und gibt uns das gute Gefühl etwas Gutes getan zu haben (und ist steuerlich absetzbar). Ich finde es auch völlig legitim darüber zu sprechen und so für positive Unternehmens-PR zu sorgen. Wenn Du unsicher bist wo Deine Spende gut aufgehoben ist, wirf doch einen Blick auf die Seite von Deutschland hilft, dem Bündnis renommierter deutscher Hilfsorganisationen.

Mit Sachspenden

Wir alle haben eine Menge gut erhaltener Dinge zuhause und im Büro, die wir nicht mehr brauchen. Seien es Kleider, Möbel, Hausrat o.ä., die Diakonia freut sich über jede Spende. Die von beiden Mein Arbeits(t)raum-Häusern am nächsten gelegene Sammelstelle befindet sich im Gewerbegebiet am Moosfeld. Infos zu den Dingen, die dort benötigt werden und wann man sie abgeben kann, findest Du auf der Homepage der Diakonia.

Mit persönlichem Engagement

Wer erfahren möchte wie er sich persönlich engagieren kann, dem sei die Infoveranstaltung der Caritas am 30.9.15 an Herz gelegt. Dort informiert diese von 18:30 Uhr bis 20:30 Uhr im Pfarrsaal der Pfarrei St. Rita in München über mögliches bürgerschaftliches Engagement.

Flüchtlinge direkt um’s Eck

Das Thema Flüchtlinge wird uns noch lange beschäftigen. Viele von uns haben schon eine Flüchtlingsunterkunft in der Nähe ihres Wohnorts oder ihres Büros. Was können wir tun, um die Menschen, die dort leben, zu unterstützen und in unseren Alltag zu integrieren? Ich stelle mir schon länger die Frage ob wir als Arbeits(t)raum-Gemeinschaft nicht in den Unterkünften, die unseren Büros nahe sind, irgendetwas Gutes tun können. Hat jemand von Euch eine gute Idee? Ich freue mich auf Vorschläge! Vielleicht können wir so einen kleinen Beitrag leisten.

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